Man küsst sich immer zweimal

heißt mein letztes Jugendbuch. Einige werden jetzt vielleicht sagen, 1x Küssen würde ja schon reichen, wenn man endlich mal jemanden zum Küssen hätte. Doch wie kommt man zu diesem Jemand?

Ein russischer Freund sagte einmal zu mir, ihr deutschen Mädels seid komisch. Wenn ich eine in der U-Bahn treffe und sie anspreche, weil ich sie toll finde, steigt sie sofort aus oder wechselt das Abteil. Dabei will ich ihr doch gar nix Böses. Im Gegenteil. Ich würde mich gern mal mit ihr treffen. Wo ist das Problem?

„Aber doch nicht so“, stöhnen die Mädchen.

„Na wie dann?“, fragen sich die Jungs.

Als wir noch alle zusammen im Buddelkasten hockten, war das noch einfach. Wenn wir jemanden toll fanden, sind wir mit unserer Buddelausrüstung hin gerobbt und haben unser schönstes Förmchen aufgeboten. Manchmal bekamen wir dafür eine Schippe auf den Kopf gehauen. Aber manchmal fanden wir auch einen Freund.

In der Grundschule gab‘s dann diese kleinen zerknüllten Zettelchen zur Liebesanbahnung. Willst du mit mir gehen? Ja – nein – vielleicht. Mit viel Gekicher auf dem Pausenhof. Und stunden-langen Auswertungen mit der besten Freundin, was genau das Ja jetzt eigentlich bedeutet.

Aber dann wurde es irgendwann p-e-i-n-l-i-c-h. Und kein Mensch versteht, warum. Was ist daran so peinlich, jemandem zu sagen, dass man ihn mag? Oder sind wir uns selbst peinlich, weil wir denken, wir würden einfach nicht genügen? Nicht gut genug sein für die heimlich Angebetete oder den unerreichbar tollen Typen aus der 8b, weil wir plötzlich hundert Mängel an uns entdecken.

Sophie glaubt das auch, nicht gut genug zu sein. Sie, das Mauerblümchen der Klasse, die noch nie einen Freund hatte und dann gleich so einen tollen griechischen Traumprinzen findet. Der muss sich doch komplett geirrt haben, denkt sie. Unmöglich kann er mich meinen! Bis die Konkurrenz auf den Plan tritt und ihr den Freund ausspannen will. Da ist dann plötzlich nichts mehr peinlich.

08.08.2015, Zurück

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3 Einträge

  1. Tina sagt:

    Ich sitze beim Arzt, lese den Blogtext und kann nicht aufhören zu grinsen – sooo Klasse geschrieben! (ich grinse auch deshalb so, weil ich jedesmal wenn ich bei diesem Arzt bin davon träume, er würde „mit mir gehen“ 🙂 ). Bestimmt lese ich das neue Buch mal, ich bin zwar fast 56 – aber … 😉

  2. Thilo Bauschke sagt:

    So ist das Leben. Zuerst traut Mann sich nicht. Aber dann ist klar, was Mann machen sollte um seiner Traumfrau näher zu kommen. Ganz einfach, nur kurz die Welt auf den Kopfstellen und schon beginnt das Chaos.
    Ein tolles Buch das mich viele Tränen gekostet hat… und jede war es wert!

  3. Caro sagt:

    🙂 Sehr schöner Blogtext. Ich werde das Buch bestimmt lesen!

    Ich hatte ein wunderbare Begegnung neulich im Zug, die damit begann, dass Mann fragte, was ich lese. Von Mainz bis Köln ergab sich ein heiteres Geplänkel über Lieblingsbücher, Bücher für Kinder, seinen Beruf, meinen Beruf, Bücher machen, Lebensvisionen, Scherze über Demenz. Schnittstellen. Und dann stieg er auch noch in Köln aus um zu feiern! … Leider mit seiner Frau. Vielleicht war es deswegen so unbeschwert? Egal, es war eine herrliche Begegnung!