Über mich

Bei Lesungen werde ich oft gefragt, wie ich denn Schriftstellerin geworden bin. Ob man das lernen kann. Und wenn ja, wie ich es dann angestellt habe. Angestellt habe ich eigentlich gar nichts. Wenn man nicht unbedingt meine Mutter dazu befragt.

Wie ich Schriftstellerin wurde

Im Schuppen meines Vaters stand früher eine alte Holzkiste. Ich war acht, als ich sie das erste Mal öffnete. Seitdem ist mein Leben mit einem Zauber belegt. In der Kiste befanden sich die Reste der alten Hausbibliothek des Vorbesitzers. Der Mann, in dessen Sommerhäuschen ich aufwuchs, erschien mir als einer der letzten wirklichen Weltreisenden.

Und so ging ich mit seinen vergessenen Büchern auf ferne Polarexpeditionen, erkundete exotische Karibikinseln und rumpelte mit Onkel Wanjas Eisenbahn durch das alte Russland. Da die Bücher aber in altdeutscher Schrift geschrieben waren, musste ich mir diese erst beibringen, um die Bücher auch lesen zu können. Viele Jahre hielt ich Fraktur für eine Geheimschrift von Forschungsreisenden, die sich damit ihre aufregenden Geschichten erzählten.

Deshalb wünschte ich mir nichts sehnlicher, als auch Forscherin zu werden. Doch als ich mich mit dem Spaten vom Gemüsebeet meiner Mutter zu einer unterirdischen Ölquelle durchbuddeln wollte, damit wir endlich reich wurden, stieß das ebenso wenig auf freudige Beachtung wie mein Versuch, einen Geheimgang durch unsere Dorfbrücke zu buddeln, um den versenkten Russenpanzer zu finden, von dem die Alten im Dorf munkelten. Auch meine Flucht auf einem selbst gebauten Floß zu jenem sagenhaften Ort Tschikagoooh, das Wort hatte ich im Radio gehört, endete in einem Desaster. Das Floß war viel zu schwer, um es ins Wasser zu bringen und außerdem wohnten wir an einem Binnensee, wo man höchstens im Kreis herumpaddeln konnte.

All meine kühnen Forschungen endeten entweder mit Stubenarrest oder einer Ohrfeige. Doch eine Leseratte mit Stubenarrest zu bestrafen ist ungefähr so sinnvoll wie einen Adler mit der Hand fangen zu wollen. Seither begleiten mich drei große Leidenschaften durchs Leben: Bücher, Bibliotheken und Reisen.

Heute bin ich in den Welten des magischen Wissens aber ebenso zuhause wie auf den staubigen Straßen meiner Buchhelden. Ehe ich mit dem Schreiben beginne, gehen dem oft abenteurliche Reisen voraus. So war ich in finsteren Grenzwäldern jenen sagenhaften Klangbäumen auf der Spur, aus denen später Meister-Geigen entstehen. Für Bye-bye, Berlin kletterte ich nachts über die Dächer Berlins. Und mein Schulschwänzerbuch katapultierte mich sogar zu den Sternen der Milchstraße hinauf.

Nun fragt sich manch‘ einer vielleicht immer noch, warum ich gerade Schriftstellerin geworden bin. Ganz einfach. Weil ich es so wollte.

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