Leseprobe „Bye-bye, Berlin“

Aus dem Halbdunkel des Dachbodens schlägt Nadja stickige Hitze entgegen. Sie hält den Atem an. Timm ist schon auf der Leiter zum Dach. Nadja folgt ihm rasch.

Oben empfängt sie ein harter Wind. Die Sonne hat sich hinter schwarzblauen Wolken verkrochen, obwohl es noch immer unerträglich heiß ist. Der Wind peitscht ihr die Haare in die Augen. Unwillig streift Nadja sie aus dem Gesicht. Was sie dann erblickt, macht sie einen Moment sprachlos.

“Du bist ja verrückt”, sagt sie schließlich.

Mitten auf dem Dach zwischen Schornsteinen und Fernsehantennen vertäut steht ein Segelboot. Ein kleines Segelboot mit einem schneeweißen Segel.

Timm lacht. “Na, wenn wir schon nicht ans Meer fahren …” Er macht eine einladende Geste.

Nadja zeigt zum Himmel, wo sich immer mehr Gewitterwolken zusammenballen.

Timm beruhigt sie. „Ist nur ein bisschen Wind!“

„Wie hast du das denn hier raufbekommen?“, ruft sie gegen das knatternde Segel und setzt sich auf die kleine Holzbank.

Statt zu antworten, greift er nach der Leine. Ein Windstoß fährt in das Segel. Das Boot wackelt und Nadja bekommt Angst. Doch Timm lacht. „Wer sagt’s denn! Wir segeln!“ Er packt die Leine kürzer, um den nächsten Windstoß besser abzufangen. Das kleine Boot neigt sich zur Seite. Hoch über ihnen kreischen Möwen. Das Boot schlägt mit dem Segel, als wollte es mitfliegen.

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